„Die Housesitterin“ von Emily Rudolf

Atmosphärisch stark und mitreißend gestartet, später zu schnell aufgelöst und zu wenig Thrill. Stimmig, aber ohne den erhofften Überraschungseffekt.

Bewertung: 3.5 von 5.

Der Einstieg ins Buch hat mich direkt gepackt: super spannend geschrieben, mit einer richtig starken Sogwirkung. Vor allem das beklemmende Gefühl, in einem fremden Haus nicht allein zu sein, wurde zu Beginn unglaublich gut transportiert und hat sofort für eine dichte, unangenehme Atmosphäre gesorgt.

Auch die Figuren haben schnell Eindruck hinterlassen – allerdings keinen besonders positiven. Sie sind durchweg unsympathisch, aber gleichzeitig authentisch gezeichnet.

Unterstützt wird das Ganze durch Perspektivwechsel, Rückblicke und Zeitsprünge, die insgesamt für eine gute Dynamik sorgen. Gerade dadurch entsteht auch ein großer Teil der Spannung, denn die Geheimnisse der Charaktere werden nur nach und nach preisgegeben. Man bekommt alles in kleinen Bruchstücken serviert und möchte unbedingt weiterlesen.

Zwischendurch gab es für mich allerdings einen deutlichen Bruch im Leseerlebnis. Vieles wurde meiner Meinung nach zu früh aufgelöst, wodurch die Spannung spürbar abgeflacht ist. Teilweise wirkte sie dann auch etwas künstlich erzeugt – etwa durch Cliffhanger am Ende der Kapitel, die sich direkt im nächsten Moment wieder relativieren.

Dazu kam für mich, dass sich die Handlung (wie in ihren vorherigen Büchern) in eine komplett andere Richtung mit viel zu viel Beziehungsdrama entwickelte und die Thrillermomente dadurch komplett ausblieben.

Trotzdem hatte das Buch immer wieder starke Momente: Einige Kapitel waren sehr lebendig geschrieben, und ich habe richtig mitgefühlt – selbst bei Ereignissen, deren Ausgang eigentlich schon bekannt war.
Der mitreißende Schreibstil sorgte zusätzlich dafür, dass ich das Buch gerne und schnell gelesen habe.

Gegen Ende hat sich die Handlung für mein Empfinden jedoch zu sehr im Kreis gedreht. Die Auflösung an sich war zwar schlüssig und nachvollziehbar, aber die große, unerwartete Wendung mit echtem Überraschungseffekt ist für mich leider ausgeblieben.

Bis etwa zur Hälfte hat mich „Die Housesitterin“ wirklich begeistert – mit einer starken Atmosphäre, der spannenden Dynamik und einem sehr fesselnden Einstieg. Danach hat die Story jedoch deutlich an Spannung verloren.
Für mich der bisher beste Thriller der Autorin – mit einer stimmigen Handlung, bei dem mir für einen Thriller aber doch etwas gefehlt hat.

BEWERTUNG 3,5 | 5 ⭐

ZITAT 💭
„Du kannst niemanden vor dem Ertrinken retten, wenn dir selbst der Atem ausgeht.“ (S. 284)

Buchdetails:

Ausgabe: Paperback
Verlag: FISCHER Scherz
Erscheinungsdatum: 26.01.2026
ISBN:  978-3-651-02516-5
Seitenanzahl: 432
Genre: Thriller

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